Coil wickeln - Eine Anleitung
Wer seinen Selbstwickelverdampfer selbst bestücken möchte, muss sich zunächst mit den Grundlagen des Coil wickelns vertraut machen. Von der richtigen Drahtwahl über die passende Wickelwatte bis zum fertigen Verdampferkopf: In dieser Anleitung zeigen wir dir Schritt für Schritt, wie du eine gleichmäßige Wicklung herstellst und worauf du dabei achten solltest.
Ob Single Coil, Dual Coil oder Quad Coil - das Prinzip bleibt immer gleich. Mit etwas Übung, dem richtigen Werkzeug und ein wenig Geduld gelingt der Einstieg auch ohne Vorerfahrung.
Inhaltsangabe:
- Was du zum Coil wickeln brauchst
- Wickeldraht: Materialien im Überblick
- Drahtstärke und Widerstand verstehen
- Die passende Wickelwatte auswählen
- Schritt für Schritt: Die Wicklung erstellen
- Watte einziehen und Coil fertigstellen
- Sicherheit: Widerstand und Akku prüfen
- Praktische Tipps und häufige Fehler
- Fazit: Coil wickeln
Was du zum Coil wickeln brauchst
Bevor es losgeht, solltest du das passende Werkzeug bereitlegen. Wickeln erfordert vor allem eines: Genauigkeit. Folgende Utensilien gehören auf deine Einkaufsliste:
Wickeldraht in der gewünschten Materialstärke, Wickelwatte als Dochtmaterial sowie ein Seitenschneider zum Kürzen der Drahtenden. Ein Schraubendreher wird zum Öffnen des Verdampfers benötigt.
Für die Wicklung selbst eignet sich eine Wickelhilfe oder ersatzweise ein Schraubenzieher mit passendem Durchmesser. Eine Keramikpinzette ist empfehlenswert, da sie beim Justieren der Spule keinen Kurzschluss verursachen kann. Ein Ohmmeter zur Widerstandsmessung ist optional, aber sehr hilfreich - viele Akkuträger verfügen bereits über eine integrierte Messfunktion.
Wickeldraht: Materialien im Überblick
Neben der Bauart des Verdampfers beeinflusst vor allem das Drahtmaterial das Zugverhalten und die Dampfentwicklung. Die folgenden vier Materialien sind beim Selbstwickeln am gebräuchlichsten:
Kanthal
Eine Legierung aus Chrom, Nickel und Aluminium. Kanthal ist günstig, lässt sich leicht verarbeiten und eignet sich damit gut für den Einstieg. Es ermöglicht ausschließlich Wattkontrolle.
NiChrom
Die Legierung aus Nickel und Chrom lässt sich leicht wickeln, behält ihre Form gut und heizt sich schnell auf. Die niedrigere Schmelztemperatur führt jedoch zu einer kürzeren Lebensdauer des Drahts.
Edelstahl
Ermöglicht sowohl Watt- als auch Temperaturkontrolle. Durch den hohen Schmelzpunkt ist Edelstahl langlebig, für Einsteiger aber etwas schwieriger zu verarbeiten als Kanthal.
Titan
Lässt sich leicht biegen und behält seine Form. Titan ist ausschließlich für Temperaturkontrolle geeignet und sollte deshalb nur mit einem entsprechend ausgestatteten Akkuträger verwendet werden.
Eine Sonderform ist der sogenannte Clapton Coil, bei dem ein dickerer Draht mit einem dünneren umwickelt wird. Für den Einstieg ins Coil wickeln empfiehlt sich zunächst ein einfacher, ungeflochtener Draht, da sich hier der Widerstand deutlich einfacher berechnen lässt.
Drahtstärke und Widerstand verstehen
Die Drahtstärke wird in AWG beziehungsweise GA (American Wire Gauge) angegeben. 24 GA entsprechen zum Beispiel etwa 0,51 mm Durchmesser. Dabei gilt: Je höher der angegebene Wert, desto dünner der Draht und desto höher der Widerstand.
Ein niedrigerer Widerstand sorgt für einen schnelleren Temperaturanstieg und eine stärkere Dampfentwicklung. Möchtest du mit einem dickeren Draht einen bestimmten Widerstand erreichen, sind entsprechend mehr Wicklungen notwendig. Wie viele Wicklungen du am Ende benötigst, hängt vom Material, der Drahtstärke, dem Innendurchmesser der Wicklung und dem gewünschten Zielwiderstand ab.
Die passende Wickelwatte auswählen
Die Wickelwatte übernimmt die Liquidaufnahme und -speicherung und ist damit ebenso wichtig wie der Draht selbst. Handelsübliche Bio-Baumwolle ist die einfachste und günstigste Lösung, sollte aber aus natürlicher, chemiefreier Produktion stammen.
Japanische Muji-Watte weist besonders lange und gleichmäßige Fasern auf, was den Liquidtransport begünstigt. Ein Hanf-Baumwoll-Gemisch gilt als hitzebeständig und wird gerne verwendet, um den Verschleiß der Watte zu reduzieren. Schnüre aus Silikat sind geschmacksneutral, fransen kaum aus und halten hohen Temperaturen stand. Als Alternative gibt es außerdem Dochte aus Edelstahl, die komplett ohne Watte auskommen.
Schritt für Schritt: Die Wicklung erstellen
Liegen Werkzeug und Material bereit, kann es losgehen. So gehst du beim Coil wickeln vor:
1. Verdampfer befestigen: Schraube den Verdampferkopf auf ein Ohmmeter oder einen ausgeschalteten Akkuträger. Bei einer bereits vorhandenen Wicklung: Alte Watte mit der Pinzette entfernen und die Befestigungsschrauben lösen, ohne sie ganz herauszudrehen.
2. Wickelhilfe wählen: Der Durchmesser sollte zwischen 2 und 4 mm liegen, je nachdem wie viel Platz der Verdampfer bietet. Bei kleineren Wicklungen passt entsprechend weniger Watte hinein.
3. Draht wickeln: Wickle den Draht gleichmäßig und ohne Überlappung um die Wickelhilfe. Ein leichtes Anwärmen des Drahts erleichtert das Wickeln und hilft dem Material, seine Form zu behalten. Lass zwischen den Windungen etwa 1 mm Abstand.
4. Enden einführen: Lasse vorne und hinten einen Überstand von etwa 1,5 bis 2 cm ungewickelten Draht und führe die Enden durch die Öffnungen im Verdampferkopf. Die Wickelhilfe bleibt dabei zunächst in der Spule, damit sich die Wicklung beim Ausrichten nicht verformt.
5. Befestigen und ausrichten: Ziehe die Schrauben gleichmäßig fest und richte die Spule mithilfe der Wickelhilfe mittig zwischen den Schrauben aus. Die Höhe der Spule relativ zum Airflow beeinflusst dabei die Geschmacksübertragung.
6. Überstände kürzen: Entferne die überstehenden Drahtenden mit einem Seitenschneider, damit kein Kontakt zum Gehäuse entstehen und einen Kurzschluss verursachen kann.
7. Ausglühen: Baue den Verdampferkopf auf den Akkuträger und betätige kurz den Feuertaster, damit sich der Draht gleichmäßig von innen nach außen erhitzt. Glüht die Spule ungleichmäßig, justiere sie vorsichtig mit einer Keramikpinzette nach - die Windungen sollten sich dabei nicht berühren.
Watte einziehen und Coil fertigstellen
Ist die Wicklung fertig, folgt die Watte. Schneide einen etwa 5 bis 10 cm langen und rund 1 cm breiten Streifen ab. Bei Muji-Watte solltest du die obere und untere Faserschicht abziehen, da diese den Liquidfluss sonst behindern würden.
Zwirble ein Ende des Streifens leicht an und ziehe die Watte durch die Spule. Richte sie anschließend wieder gerade aus und lockere sie bei Bedarf etwas mit der Pinzette auf. Kürze die Enden so, dass sie bis in die Liquidkanäle reichen, ohne zu viel Platz für durchfließendes Liquid zu lassen. Die Fasern sollten dabei weder geknickt noch stark zusammengepresst werden.
Zum Abschluss schraubst du den Verdampferkopf wieder auf den Akkuträger und beträufelst die Watte mit etwas Liquid, bevor du ihn regulär verwendest.
Sicherheit: Widerstand und Akku prüfen
Kontrolliere nach dem Wickeln immer den Widerstand - er sollte im Vergleich zum vorher berechneten Zielwert um nicht mehr als 0,1 Ohm abweichen. Größere Abweichungen deuten meist auf eine falsche Windungsanzahl hin.
Worauf du beim Akku achten solltest
Besonders bei niedrigen Widerständen unter 1,0 Ohm muss der verwendete Akku für die entsprechende Belastung geeignet sein. Verwende ausschließlich Akkus, die explizit für den Einsatz in E-Zigaretten vorgesehen sind, und stelle die Leistung am Akkuträger passend zum gemessenen Widerstand ein.
Praktische Tipps und häufige Fehler
Die Wickelwatte sollte regelmäßig ausgetauscht werden, wie oft hängt vom verwendeten Liquid ab - insbesondere Dessert-Liquids setzen der Watte stärker zu als andere Sorten. Lässt der Geschmack merklich nach oder verändert er sich unerwartet, ist das meist ein Zeichen, dass die Watte erneuert werden sollte.
Auch der Wickeldraht selbst braucht gelegentliche Pflege: Bilden sich hartnäckige Verkrustungen oder lässt die Wärmeübertragung spürbar nach, ist es Zeit für eine neue Wicklung. Ein kokeliger Geschmack direkt nach dem Wickeln deutet häufig darauf hin, dass zu wenig Watte verwendet wurde und der Liquidtransport zur Spule zu langsam erfolgt.
Wer unterwegs flexibel bleiben möchte, findet in kompakten Wickel-Sets meist alle notwendigen Werkzeuge gebündelt. Und keine Sorge, falls die ersten Versuche noch nicht perfekt gleichmäßig gelingen: Mit ein wenig Übung wird das Coil wickeln von Mal zu Mal routinierter.
Fazit: Coil wickeln
Coil wickeln erfordert etwas Vorbereitung, Genauigkeit und das richtige Werkzeug - ist aber mit dieser Anleitung auch für Einsteiger gut umsetzbar. Wer Drahtmaterial, Wickelwatte und Widerstand aufeinander abstimmt, kann seinen Selbstwickelverdampfer gezielt an die eigenen Vorstellungen anpassen.
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